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Kompromissbildung und deren Konsequenzen – Pfadabhängigkeiten zwischen Berufsfindung, Bildungsentscheidungen und Ausbildungsverläufen

Laufzeit 1.10.2018 – 30.9.2021, gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), Projektleitung gemeinsam mit Prof. Dr. Corinna Kleinert (Leibnitz-Institut für Bildungsverläufe), Projektmitarbeiterin: Melanie Fischer

In dem Projekt untersuchen wir den Prozess der Berufswahl im Übergang von der Schule und dessen Konsequenzen für Übergänge in Ausbildung und Ausbildungsverläufe. Berufswahlprozesse und die damit einhergehenden Bildungsentscheidungen sind wichtige Entwicklungsschritte für junge Menschen, und gleichzeitig stellt der erlernte Beruf zentrale Weichen für ihre Karrierechancen. In Deutschland strukturieren Berufe den Übergang in das Erwerbsleben besonders stark und spielen eine Schlüsselrolle bei der (Re-)Produktion sozialer Ungleichheit. Im Zuge der Bildungsexpansion und des Strukturwandels auf dem Arbeitsmarkt haben sich die Bildungswege in Deutschland allerdings deutlich verändert. Entlang dieser Trends zeigen sich zunehmend qualitative Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt.Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie solche Ungleichgewichte zustande kommen. Die bisherige Forschung kann darüber nur bedingt Auskunft geben. Zwar existieren bereits viele Studien zu einzelnen Aspekten des Übergangsprozesses wie Berufswahl, Bildungsentscheidungen, Ausbildungsübergänge und -abbrüche, diese stehen allerdings konzeptionell, theoretisch und empirisch weitgehend unverbunden nebeneinander. Eine dynamische Perspektive, die berücksichtigt, wie Berufsfindung, Entscheidungen im Übergangsverlauf und deren Revision aufeinander aufbauen, wurde – auch bedingt durch einen Mangel an geeigneten Längsschnittdaten – kaum empirisch umgesetzt.

Das Projekt zielt darauf ab, diese Lücken zu schließen, indem es aus einer Längsschnittperspektive grundlegende Erkenntnisse über angebotsseitige Mechanismen generiert. Unsere forschungsleitenden Fragen lauten: Wie passen Jugendliche vor Ende der Schulzeit ihre Berufswünsche und Bildungsaspirationen an die Erwartungen ihrer Umwelt und die Realitäten des Ausbildungsmarktes an? Welche Folgen hat dieser Prozess der Kompromissbildung für ihren weiteren Bildungs- und Ausbildungsverlauf? Welchen strukturierenden Einfluss hat dabei die soziale Herkunft und wie entwickeln sich diese sozialen Unterschiede im Übergangsprozess?

Um diese Fragen zu beantworten, betrachten wir Werdegänge von Schüler/innen ab der neunten Jahrgangsstufe mit den Längsschnittdaten der Startkohorte 4 des Nationalen Bildungspanels (NEPS). Diese Daten reichern wir mit Strukturinformationen zu Ausbildungsberufen aus amtsstatistischen Daten an, um unterschiedliche Dimensionen der beruflichen Präferenzen von Jugendlichen abzubilden. Damit lässt sich untersuchen, wie gut die Passung zwischen Wunschberuf und erreichtem Beruf ist und welche Konsequenzen diese Parameter für den weiteren Ausbildungsverlauf haben.

 

Erwerbsintegration oder Maßnahmekarriere? Förder- und Erwerbsverlaufmuster von Schulabgängern und -abgängerinnen der Sekundarstufe I

Laufzeit 2014 – 2022, IAB-Projekt 1623, Projektleitung gemeinsam mit Juliane Achatz (IAB)

In den Projekt werden die  Übergänge von Jugendlichen aus der allgemeinbildenden Schulzeit in den Arbeitsmarkt in den Blick genommen. Allgemeinhin wird in der Forschungsliteratur seit Jahren bilanziert, dass der Übergang zunehmend destandardisiert und komplex verläuft, so dass sich der Erwerbseintritt von jungen Menschen und ihre finanzielle Eigenständigkeit verzögert. Ein Element in den Übergangsverläufen von geringqualifizierten jungen Menschen sind die arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen der Berufsvorbereitung und Ausbildungsförderung, die jungen Menschen ohne Ausbildungsplatz eine Alternative bieten und eine Brücke in reguläre Ausbildung und Beschäftigung schlagen sollen. Jedoch wird auch kritisiert, dass das Fördersystem mitunter wenig strukturiert und nicht ausreichend an den Bedürfnissen der Zielgruppe ausgerichtet ist, so dass sich der Ausbildungs- und Erwerbseintritt der jungen Menschen in „Warteschleifen“ in Maßnahmen verzögert. In diesem Projekt werden die gesamten Erwerbstrajekte von jungen Menschen in den Blick genommen, d.h. die Abfolge von Ausbildungs-, Maßnahme- und Arbeitsmarktaktivitäten über einen längeren Zeitraum nach Abschluss der allgemeinbildenden Schule. Datengrundlage sind die administrativen Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA). Untersucht werden folgende Fragestellungen:

  • Wie sehen typische Übergangsverläufe von jungen Menschen mit maximal Realschulabschluss aus und wie werden Übergangsverläufe von der Teilnahme an Maßnahmen der Berufsvorbereitung und Ausbildungsförderung strukturiert?
  • Welche Rolle spielt ein Bezug von sozialstaatlichen Grundsicherungsleistungen, sprich Bezug von Arbeitslosengeld II, in den komplexen Übergangsverläufen?
  • Wie haben sich die Verlaufsmuster mit der verbesserten Ausbildungsmarktlage in den vergangenen zehn Jahren verändert? Welche Jugendlichen haben von den veränderten Marktbedingungen besonders profitiert?

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