ausgewählte aktuelle Projekte

Kompromissbildung und deren Konsequenzen – Pfadabhängigkeiten zwischen Berufsfindung, Bildungsentscheidungen und Ausbildungsverläufen

Laufzeit 1.10.2018 – 15.3.2022 (kostenneutrale Verlängerung), gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), Projektleitung gemeinsam mit Prof. Dr. Corinna Kleinert (Leibnitz-Institut für Bildungsverläufe), Projektmitarbeiterin: Melanie Fischer

In dem Projekt untersuchen wir den Prozess der Berufswahl im Übergang von der Schule und dessen Konsequenzen für Übergänge in Ausbildung und Ausbildungsverläufe. Berufswahlprozesse und die damit einhergehenden Bildungsentscheidungen sind wichtige Entwicklungsschritte für junge Menschen, und gleichzeitig stellt der erlernte Beruf zentrale Weichen für ihre Karrierechancen. In Deutschland strukturieren Berufe den Übergang in das Erwerbsleben besonders stark und spielen eine Schlüsselrolle bei der (Re-)Produktion sozialer Ungleichheit. Im Zuge der Bildungsexpansion und des Strukturwandels auf dem Arbeitsmarkt haben sich die Bildungswege in Deutschland allerdings deutlich verändert. Entlang dieser Trends zeigen sich zunehmend qualitative Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt.Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie solche Ungleichgewichte zustande kommen. Die bisherige Forschung kann darüber nur bedingt Auskunft geben. Zwar existieren bereits viele Studien zu einzelnen Aspekten des Übergangsprozesses wie Berufswahl, Bildungsentscheidungen, Ausbildungsübergänge und -abbrüche, diese stehen allerdings konzeptionell, theoretisch und empirisch weitgehend unverbunden nebeneinander. Eine dynamische Perspektive, die berücksichtigt, wie Berufsfindung, Entscheidungen im Übergangsverlauf und deren Revision aufeinander aufbauen, wurde – auch bedingt durch einen Mangel an geeigneten Längsschnittdaten – kaum empirisch umgesetzt.

Das Projekt zielt darauf ab, diese Lücken zu schließen, indem es aus einer Längsschnittperspektive grundlegende Erkenntnisse über angebotsseitige Mechanismen generiert. Unsere forschungsleitenden Fragen lauten: Wie passen Jugendliche vor Ende der Schulzeit ihre Berufswünsche und Bildungsaspirationen an die Erwartungen ihrer Umwelt und die Realitäten des Ausbildungsmarktes an? Welche Folgen hat dieser Prozess der Kompromissbildung für ihren weiteren Bildungs- und Ausbildungsverlauf? Welchen strukturierenden Einfluss hat dabei die soziale Herkunft und wie entwickeln sich diese sozialen Unterschiede im Übergangsprozess?

Um diese Fragen zu beantworten, betrachten wir Werdegänge von Schüler/innen ab der neunten Jahrgangsstufe mit den Längsschnittdaten der Startkohorte 4 des Nationalen Bildungspanels (NEPS). Diese Daten reichern wir mit Strukturinformationen zu Ausbildungsberufen aus amtsstatistischen Daten an, um unterschiedliche Dimensionen der beruflichen Präferenzen von Jugendlichen abzubilden. Damit lässt sich untersuchen, wie gut die Passung zwischen Wunschberuf und erreichtem Beruf ist und welche Konsequenzen diese Parameter für den weiteren Ausbildungsverlauf haben.

 

Wege in die Zukunft – Eine Längsschnittstudie über die Vergesellschaftung junger Menschen in Wien

Laufzeit bis 2023, Institutsprojekt des Instituts für Soziologie der Universität Wien, Mitglied in der Steuerungsgruppe

Die (Neue) Mittelschule ist eine vierjährige Schulform der Sekundarstufe I in Österreich unterhalb der Allgemeinbildenden Höheren Schule (AHS). Das Projekt „Wege in die Zukunft“ betrachtet die Situation der Schüler_innen in der Abgangsklasse an dieser Schulform in Wien und ihren weiteren Werdegang, um soziale Ungleichheiten innerhalb der Gruppe von relativ geringqualifizierten Jugendlichen aufzuzeigen. Die Jugendlichen werden ab dem Alter von 14/15 Jahren in einer Längsschnittuntersuchung in einem Mixed-Methods Design mit einem qualitativen und quantitativen Panel verfolgt. Bislang liegen Informationen aus fünf qualitativen Befragungswellen und vier quantitativen Wellen vor, eine fünfte quantitative Welle wird derzeit vorbereitet. Neben Wiederholungsfragen zum schulischen Werdegang und den Aspirationen der Jugendlichen gibt es in jeder Welle einen Themenschwerpunkt wie Partnerschaft, Freizeitverhalten und -orte und politische Partizipation.

Weitere Informationen zum Projekt gibt es hier.

 

Übergang Schule – Beruf in Zeiten verbesserter Bedingungen auf dem Ausbildungsmarkt

Laufzeit 2020 – 2023, Projektleitung gemeinsam mit Juliane Achatz (IAB)

In den Projekt werden die  Übergänge von Jugendlichen aus der allgemeinbildenden Schulzeit in den Arbeitsmarkt in den Blick genommen. Allgemeinhin wird in der Forschungsliteratur seit Jahren bilanziert, dass der Übergang zunehmend destandardisiert und komplex verläuft, so dass sich der Erwerbseintritt von jungen Menschen und ihre finanzielle Eigenständigkeit verzögert. Ein Element in den Übergangsverläufen von geringqualifizierten jungen Menschen sind die arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen der Berufsvorbereitung und Ausbildungsförderung, die jungen Menschen ohne Ausbildungsplatz eine Alternative bieten und eine Brücke in reguläre Ausbildung und Beschäftigung schlagen sollen.

Nach der großen Wirtschaftskrise in den Jahren 2008/9, deren Konsequenzen auf dem Ausbildungsmarkt nur kurz spürbar waren, hat sich die Lage auf dem Ausbildungsmarkt zunehmend verändert. Im Aufschwung haben sich die Angebote für die Jugendlichen verbessert, mehr noch immer mehr Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt. Die Angebote der Ausbildungsförderung wurden zurückgefahren. Haben sich vor diesem Hintergrund die Übergangsverläufe von Schulabgänger_innen generell stabilisiert und konnten insbesondere benachteiligte Jugendliche aufholen, die die Schule mit geringen Abschlüssen beendet haben oder aus Familien im Armutsbereich kommen?  In diesem Projekt werden die Erwerbstrajekte von jungen Menschen unterschiedlicher Schulabgangskohorten über einen Zeitraum von rund 6 Jahren nach Abschluss der allgemeinbildenden Schule untersucht. Datengrundlage sind die administrativen Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Weitere Informationen zum Vorgängerprojekt.